Erläuterungen zur Benutzung

Dieser Text bezieht sich auf die gedruckte Ausgabe

Die Neuausgabe des Historischen Ortsverzeichnisses von Sachsen erfasst – bezogen auf das Gebiet des 1990 wiederbegründeten Freistaates Sachsen – alle Siedlungen mit eigenem Namen, die seit dem Aufkommen der schriftlichen Überlieferung im Mittelalter nachweisbar sind. Ihre Anzahl beläuft sich inzwischen auf nahezu 6000.

Die vorstehenden Darlegungen über Aufgaben und Möglichkeiten historischer Statistik haben einen Rahmen abgesteckt, in dem sich das Wünschenswerte und das Machbare begegnen. Jedes Lexikon muss aus der Fülle des bereitstehenden Stoffes dasjenige auswählen, was in einer absehbaren Zeit und mit den bereitstehenden Kräften bewältigt werden kann. Von dieser vorgegebenen Einschränkung war die Konzeption der ersten Ausgabe von 1957 beherrscht, sie bleibt auch für die Neubearbeitung maßgeblich. Es war daher nicht möglich, Angaben zur Vorgeschichte, zur Bau- und Kunstgeschichte, zur Denkmalpflege, zur Volkskunde und zur Wirtschaftsgeschichte in die Ortsartikel einzubringen. Deshalb machte sich die Beschränkung auf einen Kanon von Sachverhalten notwendig, der es gestattet, für jeden Ort einen Grundriss an kennzeichnenden Tatsachen anzubieten. Jeder Ortsartikel kann als eine Art Kurzbiographie für den betreffenden Ort dienen, aus der die wichtigsten Angaben zu seiner Geschichte zu entnehmen sind und seine Identität zu erkennen ist.

Die Ortsartikel sind nach folgendem 10-Punkte-Schema aufgebaut:

Ortsname TK 25 Höhenlage des Ortes, geodätische Angaben

1 Kreiszugehörigkeit, geographische Lage
2 Verfassung
a Siedlungstyp, Gemeindezugehörigkeit
b ältere Verfassungsverhältnisse
c Ortsadel, Herrengüter
d Ortswüstungen
3 Siedlungsformen, Gemarkungsgröße
4 Bevölkerungszahlen
5 Verwaltungszugehörigkeit
6 Zugehörigkeit zu Grundherrschaften
7 Kirchliche Organisation
8 Ortsnamenformen
9 Literatur
10 Gauß-Krüger-Koordinaten

 

Es wurde Wert darauf gelegt, alle Angaben aus zuverlässigen Quellen zu entnehmen, wobei der Rückgriff auf Archivalien in weitestem Maße angestrebt wurde. Aus praktischen Gründen war es unmöglich, für jede einzelne Angabe die Quelle zu vermerken. Auf häufig benutzte Quellen und Literatur wird im Quellen- und Literaturverzeichnis verwiesen. Die Konzeptzettel, auf denen die Quellenangaben des Ortslexikons von 1957 vermerkt sind, werden im Hauptstaatsarchiv Dresden aufbewahrt [17]. Für die Ortsnamensformen unter Punkt 8, die dem „Historischen Ortsnamenbuch von Sachsen“ [151] entnommen wurden, sind die Quellenbelege in jenem Werk verzeichnet. Darüber hinaus bietet die im Zuge der Neubearbeitung des Ortslexikons entstandene Datenbank am Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V. künftig die Möglichkeit, ausgewählte Quellennachweise auf elektronischem Wege zur Verfügung zu stellen. Die Schreibung des Ortsnamens in der Kopfzeile der Ortsartikel entspricht der derzeit gültigen amtlichen Namenform, bei Orten im sorbischen Siedlungsgebiet folgt der entsprechende obersorbische Ortsname. Wüstungsnamen orientieren sich in der Regel an der Namenform des jüngsten bzw. bekanntesten Quellenbeleges, wobei hier die Schreibweise des Historischen Ortsnamenbuches übernommen wurde; deutlich abweichende Namenformen gegenüber der Erstausgabe des Ortsverzeichnisses wurden in Klammern hinzugesetzt, z.B. Beerhut (Bärenhaut) oder Kreischau (Criscowe). Grundsätzlich jedoch kann zum Auffinden historischer Namenformen das Register am Schluss des Lexikons genutzt werden. Dies gilt auch für die Erscheinung des Ortsnamenwechsels. Bei Umbenennung eines Ortes erscheint der ältere Ortsname als Verweis im Lexikonteil, während der gesamte Ortsartikel dem neuen Ortsnamen zugeordnet ist. Dies betrifft vor allem eine Vielzahl von Orten mit sorbischem Namen in der Oberlausitz, die in der Zeit von 1936 bis 1938 deutsche Ortsnamen erhielten und diese nach 1945 beibehalten haben. Ein Beispiel: 1936 wurde das Dorf Leschwitz in Weinhübel umbenannt; als Verweis erscheint ‚Leschwitz s. Weinhübel‘, der Ortsartikel ist unter ‚Weinhübel (bis 1936 Leschwitz)‘ zu finden. Bei zeitweiliger Umbenennung dieser Art hingegen ist der neue Ortsname lediglich als Verweis im Lexikon zu finden, z.B. ‚Birkenheim s. Brischko‘ oder in anderem Kontext ‚Karl-Marx-Stadt s. Chemnitz‘. Bei zusammengesetzten Ortsnamen stehen die adjektivischen und substantivischen Bestimmungswörter wie Alt-, Neu-, Groß-, Klein-, Mark(t)-, Probst-, Straß- usw. nach dem Grundwort, wenn es sich um sekundäre Bestimmungswörter handelt, z.B. Heida, Hohen-und Heida, Probst-statt Hohenheida und Probstheida. Sie sind oft erst im späten Mittelalter oder in der Neuzeit den Grundwörtern hinzugefügt worden. Primäre Bestimmungswörter sind dagegen in ihrer Stellung innerhalb des Ortsnamens belassen worden, etwa Neu-stadt, Lange-brück, Ober-dorf, Königs-wartha, Neu-Sorge usw. Scheinbare (Naundorf, Abt-, aber Abts-dorf) und tatsächliche Inkonsequenzen (Naundorf, Knautwie Naundorf, Abt-, aber Knaut-hain wie Jüden-hain) ließen sich dabei nicht völlig vermeiden. Differenzierende Zusätze, die nur zeitweilig auftraten und nicht zu festen Namensbestandteilen wurden, sind ohne Fettdruck in Klammern nachgestellt, etwa Steinpleis (Nieder-, Ober-, Unter-) oder Nitzschka, Unter- (Nieder-). Einige jüngere Namenszusätze, wie Bad oder Kurort, die heute Bestandteil des amtlichen Ortsnamens sind, erscheinen ebenfalls nachgestellt und nicht in Fettdruck. Die Unterscheidung gleichlautender Ortsnamen erfolgt mittels einer laufenden Nummer in runden Klammern, die unmittelbar auf den Namen folgt, z.B. Naundorf (1), Naundorf (2) usw. Die Nummerung entspricht weitgehend derjenigen im Historischen Ortsnamenbuch, auf abweichende Nummern wird unter Punkt 9 verwiesen. Diese Abweichungen ergeben sich aus dem geringfügig verschiedenen Orts(namen)bestand beider Lexika. So verzeichnet das Ortsnamenbuch beispielsweise auch die Orte des Kreises Altenburg, die heute zu Thüringen gehören, während das Ortsverzeichnis eine deutlich größere Anzahl an Wohnplätzen, Einzelsiedlungen oder Gemeindebildungen und ebenfalls eine Reihe nicht mehr zum Freistaat Sachsen gehörender Orte berücksichtigt. Zum Vergleich: Von den knapp 6000 Artikelstichworten des Ortsverzeichnisses sind etwa 5300 im Ortsnamenbuch verzeichnet, das seinerseits insgesamt 5525 Stichworte umfasst. Untergegangene Siedlungen, sowohl Ortswüstungen als auch infolge von Industrialisierung und Landschaftsveränderung devastierte Orte, werden mit einem † ausgewiesen, zeitweilige bzw. Teilwüstungen mit einem (†). Fragliche Angaben sind mit einem Fragezeichen versehen. Bloße Jahreszahlen bezeichnen nicht den Beginn eines Zustandes, sondern zeigen an, dass in dem betreffenden Jahr der benannte Sachverhalt in der Überlieferung zu verzeichnen ist. Beginn und Ende eines Zustandes werden durch die Präpositionen „seit“ bzw. „von/bis“ gekennzeichnet. Historische Schreibungen sind kursiv gedruckt; dies betrifft historische Namensformen und Termini unter Punkt 2, 7 und 8, die in originaler Schreibweise der zugrunde liegenden Quelle wiedergegeben werden.

Unmittelbar unter dem Ortsnamen der Kopfzeile sind die Höhenlage des Ortes (über Normalnull) und geodätische Angaben (geodätische Länge und Breite) verzeichnet. Auf gleicher Höhe mit dem Ortsnamen befindet sich rechtsbündig die Nummer der Normalausgabe der aktuellen Topographischen Karte (TK 25); zu diesen Daten vgl. die Ausführungen unter Punkt 10.

 

1 Kreiszugehörigkeit, geographische Lage

Die Lage eines Ortes wird zunächst über die Zugehörigkeit zu einem Landkreis bzw. einer Kreisfreien Stadt aufgrund des Gebietsstandes am 1. Januar 2002 gekennzeichnet. Zur genaueren Bestimmung wird die Lagerichtung zur nächstgelegenen Stadt, in Ausnahmefällen auch zu einer bedeutenden Landgemeinde, angegeben. Q/L: 113, 228-230.

 

2 Verfassung

Die Verfassungsverhältnisse sind in die Unterpunkte a bis d gegliedert. Unter 2a sind der Siedlungstyp (Einzelgut, Häusergruppe, Dorf, Stadt usw.) und seine verfassungsmäßige Stellung als Ortsteil, Landbzw. Stadtgemeinde usw. sowie die Gemeindezugehörigkeit einschließlich aller seit dem 19. Jahrhundert fassbaren Veränderungen verzeichnet. Zum Zwecke der Vergleichbarkeit wird bei der Bestimmung des Siedlungstyps allgemein von einem Zustand ausgegangen, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, vermittelt durch die ersten Verzeichnisse der amtlichen Statistik, erreicht ist. In der Mehrzahl der Fälle kennzeichnet dieser Zustand bereits die Entwicklung der Siedlung seit ihrer Entstehung. Trifft dies nicht zu, werden Aussagen zur Siedlungsgenese wie folgt vorgenommen, z.B.

  • Radebeul: Dorf, Lg.; seit 1923 Stadt; eingem.: 1905 Serkowitz, 1934 Oberlößnitz u. Wahnsdorf, 1935 Kötzschenbroda mit Lindenau (2), Naundorf (11), Niederlößnitz (1) u. Zitzschewig.
  • Callnberg: 1708 gegründete Neustadt von Lichtenstein; seit 1712 selbständige Gemeinde, seit 1725
    Stadt; 1920 mit Lichtenstein zu Lichtenstein-Callnberg vereinigt, 1938 Namensänderung in Lichtenstein.
  • (†) Mausitz: Ortswüstung > Einzelgut 16. bis 19. Jh. > Ortst. von Großdalzig, seit 1993 zu Zwenkau.

Unter Punkt 2b werden ältere Verfassungsverhältnisse mit der in den Schriftquellen überlieferten Bezeichnung vermerkt, wobei der Schwerpunkt auf Mittelalter und früher Neuzeit liegt. Es folgen unter 2c Angaben zu Ortsadel und Herrengütern, unter 2d der Verweis auf Ortswüstungen in der Gemarkung bzw. in der Ortslage aufgegangene Siedlungen. Im Folgenden sollen die unter 2 verwendeten Begriffe erläutert werden. Unterschiedliche Bezeichnungen für ein und dieselbe Siedlung erklären sich daraus, dass der Ort im Laufe seiner Geschichte seine Stellung gewechselt hat. Nicht jedes Dorf ist im 19. Jahrhundert zu einer Landgemeinde geworden. Manches Städtlein hat im 19. Jahrhundert nicht die volle Stadtverfassung erlangt und sich zur Landgemeinde zurück entwickelt. Das Dorf (villa) ist die in räumlicher und verfassungsmäßiger Hinsicht selbständige ländlichbäuerliche Siedlung. Aus einem Dorf wurde bei der Einführung der Landgemeindeordnung im Jahre 1838 in der Regel eine Landgemeinde. Dabei wurden sehr kleine Dörfer anderen Landgemeinden als Ortsteile zugeschlagen, in seltenen Fällen aber auch sehr große Dörfer in zwei Landgemeinden aufgeteilt. In einem Dorf konnten auch dann mehrere Landgemeinden errichtet werden, wenn besondere Verfassungsverhältnisse gegeben waren: wenn eine Dorfgemeinde von der Rittergutsgemeinde zu unterscheiden war oder wenn in einem Dorf mehr als eine Grundherrschaft vorhanden war oder wenn Dorfteile verschiedenen Landesherrschaften angehörten, wie es an der Grenze zwischen den markmeißnischen Erblanden und dem Markgraftum Oberlausitz der Fall war. Die selbständigen Gutsbezirke, deren verfassungsmäßige Stellung in Sachsen nicht sehr bedeutend war, sind nicht gesondert erwähnt. Ihre Existenz ergibt sich aus der Nennung von Rittergütern oder Vorwerken in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Stichjahr 1858, in den preußischen Gebieten aus der Erwähnung von Rittergut oder Vorwerk mit dem Stichjahr 1880 bzw. 1885, wobei auf die gegenüber Sachsen größere Selbständigkeit des preußischen Gutsbezirkes hinzuweisen ist. Ortsteile von Dörfern und Städten haben keine verfassungsmäßige Selbständigkeit gehabt. Oft lebte in ihnen nur die Erinnerung an Siedlungen weiter, die schon in sehr früher Zeit in anderen aufgegangen sind und ihre Selbständigkeit an diese verloren haben. Durch Eingemeindung bisher selbständiger Landgemeinden in andere Landgemeinden oder Städte entstanden ebenfalls neue Ortsteile. Der im 20. Jahrhundert gebräuchliche Begriff Gemeindeteil wird entsprechend der „Gemeindeordnung für den Freistaat Sachsen“ synonym mit Ortsteil verwendet [118]. Als Ortswüstungen werden alle aufgelassenen Siedlungen bezeichnet, die sich durch direkte oder indirekte Quellen feststellen lassen. Der für das späte Mittelalter geltende klassische Wüstungsbegriff ist im 20. Jahrhundert durch die im Zuge des Braunkohlentagebaus devastierten Orte erweitert worden. Wenn es sich in beiden Epochen auch um grundverschiedene Ursachen des Wüstungsvorganges handelt, so ist doch unter dem Blick der historischen Landeskunde das gleiche Ergebnis zustande gekommen, indem in jedem Falle eine Siedlung aus der Kulturlandschaft verschwunden ist. Die Stadt kennzeichnet gegenüber den anderen Siedlungsformen für die ältere Zeit die besondere Lebens-, Siedlungs- und Verfassungsform, seit dem Jahre 1832 die der Städteordnung unterworfene Siedlung. Nicht alle vor diesem Jahre als Städte bezeichneten Siedlungen haben die Städteordnung angenommen, so dass einige von ihnen seit dem 19. Jahrhundert als Landgemeinden erscheinen. Die städtischen Siedlungen werden durch wörtliche Übernahme der zeitgenössischen Bezeichnungen in ihrer Entwicklung deutlich gemacht: Stadt, Städtlein, Flecken, Markt geben die unterschiedliche Eigenschaft einer städtischen Siedlung nach ihrer Größe und dem Grad der Selbstverwaltung an. In der lateinischen Urkundensprache des Mittelalters tritt seit dem 12. Jahrhundert der Begriff civitas für die größere, oppidum für die kleinere Stadt auf; urbs steht in diesem Kontext nicht für die Stadt, sondern vom 10. bis 12. Jahrhundert für die große Burganlage. Die Nennung der accisbaren Städte lehnt sich an die amtliche Klassifikation des ausgehenden 18. Jahrhunderts an. Sie betrifft alle der Akzise unterworfenen städtischen Gemeinwesen mit Ausnahme derjenigen in den Schönburgischen Herrschaften und ermöglicht eine klare Trennung zwischen städtischer und dörflicher Siedlung, wie sie sich im praktischen Leben noch nicht durchgesetzt hatte. Eine Vorstadt (vicus, suburbium) kann vor und nach den Reformen des 19. Jahrhunderts eine eigene Gemeinde dargestellt oder der Stadtgemeinde angehört haben. Echte Vorstädte sind solche, die sich erst nach der Entstehung der Stadt zu deren Ergänzung an ihrem Rande angesiedelt und keine selbständige Gemeinde gebildet haben. Unechte Vorstädte sind älter als die Stadt, haben bereits vor ihr als Dörfer oder Kaufmannssiedlungen bestanden und sind erst nach der Entstehung der Stadt in deren Wirtschafts- und Funktionsbereich einbezogen worden. Sie unterstanden in der Regel nicht der Botmäßigkeit des städtischen Rates, sondern dem landesherrlichen Amt oder einer adligen oder kirchlichen Grundherrschaft. Die Kaufmannssiedlungen des hohen Mittelalters sind nicht durch schriftliche Quellen überliefert, sondern erst durch die Forschungen der letzten Jahrzehnte erschlossen worden. Sie wurden aufgrund verfassungstopographischer Untersuchungen an den Flussübergängen alter Fernstraßen in Verbindung mit Nikolaikirchen festgemacht und haben als genossenschaftlich organisierte Vorstufen der erst später einsetzenden Stadtentwicklung zu gelten. Eine spätmittelalterliche Judengemeinde ist ein Zeichen für eine besonders starke wirtschaftliche Entwicklung im Rahmen der Geldwirtschaft in der betreffenden Stadt. Die Einstufung als B e r g stadt oder B e r gflecken geht auf die Bedeutung des Bergbaus zurück, sie brachte für den betreffenden Ort eine privilegierte Stellung. Urbs, castellum und castrum sind im Mittelalter die Bezeichnungen für Burgen, in selteneren Fällen ist hierfür der im 10. und frühen 11. Jahrhundert noch gebräuchliche Terminus einer civitas überliefert. Die seit dem 14. Jahrhundert auftretenden deutschen Begriffe sind Sloss und Feste (vestes hus). In der Neuzeit bezeichnete man als Schloss das durch besondere Größe auffallende Herrenhaus einer Grundherrschaft oder ein umfängliches, repräsentatives Wohngebäude der Landesherrschaft, wobei die Verbindung zu einem Wirtschaftsbetrieb oft nicht mehr gegeben ist. Munitio bezeichnete im hohen Mittelalter eine in gewisser Hinsicht befestigte, villa forensis oder forum eine offene stadtähnliche Siedlung wohl durchweg mit Marktbetrieb. Das Ritter gut ist die Einheit von Wohnsitz eines Grund- und Gerichtsherrn und Wirtschaftshof für landwirtschaftlichen Großbetrieb mit grundherrlichen Befugnissen. Die Bezeichnung ist erst seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts an die Stelle älterer Ausdrücke getreten. Ein trockenes Ritter gut nannte man die Summe von grund- und gerichtsherrlichen Befugnissen ohne herrschaftliche Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Ein Kammer gut ist ein im Besitz der landesherrlichen Kammer befindliches Rittergut, wofür in anderen deutschen Landschaften das Wort Domäne üblich war. Ein Kammergut konnte durch Ankauf eines Ritterguts an die landesherrliche Kammer zustande kommen, umgekehrt konnte ein Kammergut durch Verleihung an einen adligen Grundherrn zum Rittergut werden. Das Vorwer k bezeichnete im späten Mittelalter ein verfassungsmäßig und wirtschaftlich hervorgehobenes Herrengut, das oft in der sprachlichen Verbindung von „Sitz und Vorwerk“ erscheint. Die lateinische Übersetzung heißt allodium, selten auch praedium. In der Neuzeit war das Vorwerk der landwirtschaftliche Zweigbetrieb eines Rittergutes, der nicht von der Grundherrschaft bewohnt wurde. Das Wort hat somit in der Neuzeit seine Bedeutung verengt und vermindert. Als Rittersitz, lateinisch curia (curia sessionis), wird in Anlehnung an die in den Quellen des 15. und 16. Jahrhunderts auftretende Bezeichnung „Sitz“ der Wohnsitz eines dem grundherrlichen Adel, in Ausnahmefällen dem Bürgerstande angehörenden Grundherrn bezeichnet, der durchaus nicht mit einem Wirtschaftshof verbunden gewesen sein muss. Alle im Historischen Ortsverzeichnis aufgeführten Rittersitze sind in der schriftlichen Überlieferung ausdrücklich bezeugt. Dagegen ist der Herrensitz primär aus den Beinamen adliger Personen nach Herkunftsorten (Henricus de Nuwendorph – Heinrich von Naundorf) erschlossen. Er bezeichnet alle diejenigen Orte, nach denen sich Angehörige von Herrengeschlechtern ohne Rücksicht auf ihre ständische Stellung vom Edelfreien bis zum Ministerialen nannten und in denen sie aller Wahrscheinlichkeit nach einmal einen Wohnsitz hatten; dieser repräsentierte sich sowohl in Gestalt von (meist kleineren) Burgen als auch befestigten oder unbefestigten Höfen. Dabei ist es möglich, dass die adligen Namensträger im Jahr der überlieferten Nennung schon nicht mehr am namengebenden Stammsitz ansässig waren. Der nur an der Wende vom Mittelalter zur frühen Neuzeit bezeugte Sattelhof kommt in seiner Stellung dem Rittersitz nahe, ist aber in stärkerem Maße einer gehobenen bäuerlichen Schicht zuzuordnen. Die flächenhafte Überlieferung der Rittergüter und Vorwerke setzt mit den seriellen Quellen des

16. Jahrhunderts ein, als zeitlich abschließende Stichjahre wurden 1875 bzw. 1880 angesetzt. Besonderes Gewicht besitzen die Angaben aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, weil seitdem die verfassungsmäßige Vorrangstellung infolge der Abschaffung der Patrimonialgerichtsbarkeit im Jahre 1856 nicht mehr bestand und ein Rittergut lediglich noch einen landwirtschaftlichen Großbetrieb unter den gleichen rechtlichen und politischen Bedingungen wie jeder andere Grundbesitz darstellte. Insgesamt verschaffen diese Hinweise ein Bild davon, in welchem Maße und wie lange die Feudalordnung und ihre Ausläufer in einem Ort heimisch gewesen sind. Q/L: 1-3, 7, 8, 14, 21-118, 126-128, 151, 171-178, 181, 183-188, 190-214, 216, 217, 219, 220, 222,223, 230, 233.

 

3 Siedlungsformen, Gemarkungsgröße

Die Angaben über die Orts- und Flurformen gestatten es, eine Siedlung ungefähr in den zeitlichen Ablauf der Besiedlung einzuordnen und gegebenenfalls Rückschlüsse auf ihr Alter zu ziehen. Bei der Typisierung der Formen wurden die Erkenntnisse der Leipziger siedlungsgeschichtlichen Schule von Rudolf Kötzschke zugrunde gelegt. Als Quellen für die Festlegung der Siedlungsformen dienten die Flurkrokis der ersten durchgehenden Katastervermessung in Sachsen in den Jahren 1835 bis 1841, die im Original zumeist noch in den ehemaligen Katasterämtern (heute in den Staatlichen und Städtischen Vermessungsämtern) aufbewahrt werden und in Kopie in den Flurnamenverzeichnissen im Sächsischen Staatsarchiv – Hauptstaatsarchiv Dresden überliefert sind [224, 225]. Die Zuordnung geht von der quellenmäßig nicht beweisbaren Annahme aus, dass die vor der Mitte des 19. Jahrhunderts angefertigten Flurkarten die Ortsgrundrisse und die Fluraufteilung etwa in der gleichen Weise wiedergeben, wie sie bei der Anlage der Dörfer im Mittelalter zustande gekommen und seitdem in den Grundzügen eher selten verändert worden sind. Unter dieser Voraussetzung ermöglicht die Bildung von Typen der Orts- und der Flurformen eine zeitliche Einordnung und grundlegende Erkenntnisse über den Gang der Besiedlung von der slawischen Landnahme im 7./8. Jahrhundert über die deutsche Kolonisation des 12./13. Jahrhunderts bis zu den Ausbausiedlungen der frühen Neuzeit. Unter den Flurformen sind die Blockfluren der slawischen Besiedlung zuzuschreiben, die in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends die Offenlandschaften des von den germanischen Hermunduren verlassenen Gebietes an Saale und Elbe überzog. Die Block-und Streifenfluren lassen sich als Folge regulierender Eingriffe unter dem Einfluss der deutschen Flurverfassung nach der deutschen Eroberung des 10. Jahrhunderts erklären. Die Blockgewannflur kann als Übergangstyp aus der Frühzeit der deutschen Kolonisation des hohen Mittelalters angesehen werden. Die Gewannfluren verdanken ihre Entstehung der Rodung weiter Waldflächen im nordsächsischen Flachland, wo eine sehr regelmäßige Flureinteilung auf dem ebenen Gelände leicht möglich war. Die Gelängeflur kam zustande, als die Besiedlung in das wellige Vorland des Gebirges vordrang und die Fluraufteilung an das stärkere Bodenrelief angepasst werden musste. Sie war ebenso wie die Gewannflur die allgemein angewandte Flurform im 12. Jahrhundert. Die Waldhufenflur entstand durch Anpassung des Rodungsvorgangs an die tiefer eingeschnittenen Täler des Berglandes im späten 12. und im 13. Jahrhundert. Die Waldstreifenflur ist eine davon abgeleitete, etwas später anzusetzende Kümmerform. Parzellenfluren sind bei den kleinen Ausbausiedlungen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit anzutreffen, die nicht mehr von der bäuerlichen Arbeit geprägt waren, sondern von gewerblich tätigen Menschen mit einem nur geringen Bedarf an Grundbesitz angelegt wurden. Gutsblockfluren sind entweder durch großzügige Landausstattung von Herrengütern in der Kolonisationszeit oder durch den gezielten Aufbau von herrschaftlichen Großgütern durch Bauernlegen in der frühen Neuzeit entstanden. Gegenüber den Flurformen ist es für die vielgestaltigen Ortsformen schwieriger, sie systematisch mit dem Ablauf der Besiedlung zu verbinden. Im Allgemeinen gehören die weilerartigen Dorfformen der slawischen Besiedlung des letzten Drittels des ersten Jahrtausends an. Die Sackgassendörfer lassen sich als Erweiterung von Weilern durch Bebauung des Zufahrtsweges erklären. Die Gassendörfer werden der Übergangsperiode von der selbständigen spätslawischen Besiedlung zur deutschen Kolonisation etwa im 11. Jahrhundert zugerechnet. Die Straßendörfer,die Straßenangerdörfer und die Platzdörfer treten im Verbreitungsgebiet der Gewann- und der Gelängefluren auf und gehören mit diesen in die gleiche Epoche der deutschen Kolonisation des 12. Jahrhunderts. Die Waldhufendörfer sind in der Gestaltungseinheit von Flur- und Ortsformen zu verstehen, die sich beide aus der geländebedingten Entstehung dieser Form ergeben. Die gelegentlich auftretende Bezeichnung als Reihendorf hat sich nicht allgemein durchgesetzt. Streusiedlungen, Häuslergruppen, Häuslerzeilen und Häuslerreihen entstanden während des spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Landesausbaus als Kleinformen mit einem gegenüber den mittelalterlichen Bauerndörfern deutlich abgesetzten sozialen Erscheinungsbild. Gutssiedlungen bestehen aus einem herrschaftlichen Großgut mit Landarbeiterhäusern, die oft als Drescherhäuser bezeichnet werden, weil ihre Bewohner in den Getreideanbaugebieten der Ebene zu Drescherdiensten verpflichtet waren. Das Einzelgut besitzt als agrarischer Großbetrieb außer den herrschaftlichen Wohngebäuden und dem Wirtschaftshof keine weiteren Siedlungsteile. Es tritt gehäuft in den Getreideanbaugebieten der nordsächsischen Ebene und in der Oberlausitz auf. Seit der frühen Neuzeit bildeten sich aus Werkgebäuden der Metall- und der Textilverarbeitung kleinere Werkweiler mit wenigen Nebengebäuden, durch Ansiedlung von Arbeiterhäusern größere Werksiedlungen. Gegenüber den auf bäuerliche Arbeit eingestellten Orts- und Flurformen der Dörfer beruhen die Stadtanlagen auf völlig anderen wirtschaftlichen und funktionalen Grundlagen. Städte entwickelten sich in einer rein landwirtschaftlich ausgerichteten Gesellschaft (Agrargesellschaft) als Fremdkörper an den Knotenpunkten des hochmittelalterlichen Fernverkehrs als Orte des Warenaustausches und der beginnenden Geldwirtschaft. Da Handwerker mit ihrer handwerklichen Warenproduktion und Kaufleute nicht auf die Nutzung von Grund und Boden als Produktionsmittel angewiesen waren, strebten sie die Befreiung aus dem allgemein geltenden System der Feudalordnung an, schlossen sich zu genossenschaftlich aufgebauten Stadtgemeinden unter Leitung gewählter Stadträte zusammen und stellten gegenüber einer Welt der Grundherrschaft und des herrschaftlich geprägten Landrechts Freiräume der Selbstverwaltung und des Stadtrechts dar. Diese neue Lebens-, Wirtschafts- und Rechtsform brachte auch eine neue Form der Siedlung zustande. Da die Handwerker und Kaufleute als Grundlage ihres wirtschaftlichen Daseins keine Äcker, Ställe und Scheunen, sondern nur ihre Häuser brauchten, rückten diese Wand an Wand zusammen, bildeten geschlossene Straßenzüge und wuchsen auf engem Raum zu gedrängten Gebilden zusammen. Das geschah zunächst im Zuge eines freien, spontanen Wachstums entsprechend den aufkommenden Bedürfnissen, wurde aber bald durch bewusste Planung in streng geordnete Formen eingebunden. Die im 12. und frühen 13. Jahrhundert in Sachsen aufgekommenen Städte sind in ihren Anfängen in einem Vorgang des freien Wachstums „entstanden“, in den bald Elemente der rationalen Planung eingebaut wurden, bis schließlich auch eine Stadt von Anfang an auf einem vorgedachten Grundriss „gegründet“ wurde. Das wohlbekannte schachbrettartige Normalschema der Gründungsstadt des deutschen Ostens ist die klassisch gewordene Siedlungsform der mittelalterlichen Stadt, die allerdings längst nicht in allen Fällen anzutreffen ist. Bei der Kennzeichnung der Stadtgrundrisse muss daher auf unregelmäßige Stadtanlagen hingewiesen werden, bei denen kein Ordnungsprinzip zu erkennen ist, so dass hier mit einem längeren organischen Wachstum zu rechnen ist, das sich oft im Anschluss an eine Burg oder aus einer im Siedelbild noch erkennbaren dörflichen Siedlung entwickelte. Eine planmäßige Stadtanlage kam zustande, wenn im Grundriss der Einfluss eines planenden Geistes festzustellen ist, was auf eine verhältnismäßig kurze Periode der Stadtwerdung schließen lässt. Von einer regelmäßigen Stadtanlage ist dann zu sprechen, wenn die Stadt nach dem ostdeutschen Schachbrettmuster angelegt ist und ihre Entstehung folglich auf den bewussten Akt einer Stadtgründung zurückgeht. Auf diese Weise wird versucht, ebenso wie bei den dörflichen Flur- und Ortsformen aus dem Stadtgrundriss gewisse Schlüsse auf die Entstehungsvorgänge einer Stadt zu ziehen. Daraus ergibt sich die Folgerung, den Begriff der Stadtgründung nur mit größter Vorsicht anzuwenden und in Anpassung an die Wirklichkeit besser von Stadtentstehung zu sprechen. Wenn sich eine Stadt deutlich erkennbar aus einer ursprünglichen Dorfanlage erst nachträglich entwickelt hat, dann wird dies vermerkt.

Die Angaben über die Größe der Gemarkung eines Ortes dienen dazu, eine Vorstellung vom Umfang der Flur zu geben, da sich aus diesen Werten Erkenntnisse über die Stellung des Ortes im Besiedlungsvorgang ergeben können. Der Unterschied zwischen den Kleinformen der sorbischen Siedlungszeit mit Flurgrößen, die bis in den Bereich von 50 ha hinunter gehen, und den Waldhufendörfern des Gebirgslandes mit Werten bis zu 2 000 ha bietet schon vom Zahlenvergleich her bemerkenswerte Unterschiede im Ablauf der Besiedlung, macht aber auch landschaftliche Verschiedenheiten in der Agrarstruktur deutlich und gibt den Blick auf einen wesentlichen Sachverhalt der geschichtlichen Landeskunde Sachsens frei. Bei einem Vergleich dieser Art ist allerdings auch zu berücksichtigen, dass die vorliegenden Größenangaben fast durchgängig aus der Zeit um 1900 stammen und jüngere Veränderungen wie beispielsweise Flurzusammenlegungen und Überformungen ältere Verhältnisse überlagert haben können. Q/L: 223-225, 227, 228, 232.

 

4 Bevölkerungszahlen

Dieser Punkt umfasst zum einen Bevölkerungsangaben des 16. und des 18. Jahrhunderts, zum anderen die Pro-Kopf-Einwohnerzahlen von der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Jahr 2000 zu bestimmten Stichjahren (s.u. die Erläuterungen). Für Gemeinden in der Oberlausitz mit mehr als fünf Prozent sorbischen Bevölkerungsanteils folgen Angaben über die Zahl der Sorben, wobei variierend Erhebungen für die Jahre 1880, 1885 und 1900 herangezogen wurden. Sofern es die Quellenlage erlaubt, schließen sich statistische Aussagen zum religiösen Bekenntnis der ortsansässigen Bevölkerung in den Jahren 1834 und 1925 an. Für das Königreich Sachsen liegen hierzu Erhebungen im Rahmen der ersten amtlichen Volkszählung aus dem Jahre 1834 vor. Bei ihrer Interpretation ist zu beachten, dass die Zahl der Einwohner mit evangelisch-lutherischem Bekenntnis nicht als einzelne Ziffer erscheint, sondern sich nach Abzug der mit anderem Bekenntnis ausgewiesenen Personen aus der Bevölkerungszahl von 1834 ergibt. Zum Jahr 1925 sind Angaben sowohl für Sachsen als auch für Preußen überliefert; während allerdings die Zählungen für Orte im Freistaat Preußen durchgängig auf Gemeindeebene erfolgten, ist im Freistaat Sachsen als statistische Bezugsebene das Kirchspiel angesetzt worden, so dass sich mitunter Differenzen zur Einwohnerzahl der Gemeinde in diesem Jahr ergeben. Um die geschichtliche Eigenart eines Ortes zu erkennen, sind Vorstellungen über die Anzahl der darin lebenden Menschen unerlässlich. Das gilt namentlich für eine Zeit wie die unsrige, die von quantitativ bestimmten Wertvorstellungen beherrscht wird. Aber auch für ältere Zeiten sind Angaben über die Einwohner von Dörfern und Städten wünschenswert, weil sie einen Eindruck von der Stellung des Ortes im landschaftlichen Gefüge, von seiner Wirtschaftskraft und von seiner Bedeutung für die ihm übergeordnete politische Einheit verschaffen. Ein in jeder Hinsicht befriedigendes Zahlenmaterial zur Bevölkerungsstatistik liegt in Sachsen erst seit der ersten amtlichen Volkszählung aus dem Jahre 1834 vor, für die ehemals preußischen Gebiete aus den Jahren 1816 bis 1825. Dabei handelt es sich durchweg um Kopfzahlen, mit denen die bürgerliche Gesellschaft mit Rücksicht auf ihren Grundsatz der Gleichheit jedem Menschen als Teil eines Ganzen den gleichen Wert beimisst. Für das 19. und 20. Jahrhundert konnten demzufolge die Einwohnerzahlen der regelmäßig veranstalteten Volkszählungen übernommen werden. Da die sächsische Zählung von 1910 die Ortsteile nicht mehr selbständig aufführte, hören bei ihnen die Einwohnerzahlen mit dem Jahre 1890 auf und es erhöht sich ab 1910 die Einwohnerzahl der übergeordneten politischen Gemeinde. In der ehemals preußischen Oberlausitz werden die Einwohnerzahlen von Ortsteilen nur für die Jahre 1825 oder 1843 angegeben. Diese methodische Grundvoraussetzung der Volkszählungen gilt nicht für die älteren Epochen der Geschichte, in denen nicht der einzelne Mensch, sondern die aus mehreren Menschen bestehenden Leistungseinheiten der Agrargesellschaft von Interesse waren. Dieser Grundsatz galt auch für den städtisch-bürgerlichen Bereich, in dem es auf das Haus, die Familie, das kaufmännische Unternehmen und den Handwerksbetrieb ankam. Mit Rücksicht auf diese gesellschaftliche Struktur bestand für die Obrigkeiten kein Interesse an der Kenntnis über Kopfzahlen, sondern nur über die Anzahl der Leistungseinheiten, die für ein Dorf, eine Stadt, eine Grundherrschaft oder ein Land zur Verfügung standen. Deshalb wurden die Häuser, die Familiengemeinschaften, die Haushalte mit dem Haushaltungsvorstand an der Spitze, die Ansässigen im Sinne von Haus- und Grundbesitzern gezählt, nicht aber die jeweils dazugehörenden Mitglieder. Bei diesen statistischen Erhebungen der älteren Zeit spielte es keine Rolle, ob auf einem Bauernhof ein Elternpaar mit 12 Kindern und den im Ausgedinge lebenden beiden Großeltern oder, um sich einen äußersten Fall auszudenken, nach dem Wüten einer Pest nur noch die Witwe des verstorbenen Bauern lebte und den Betrieb aufrechterhielt. Gezählt wurde in beiden Fällen der „besessene Mann“, der als „ansässiger Mensch“ und verantwortlicher Besitzer von Haus und Hof für das Funktionieren der dörflichen oder städtischen Gruppe geradestand. Auf der Grundlage dieses nach Methode und Mentalität völlig unterschiedlich zustande gekommenen Zahlenmaterials muss versucht werden, vergleichbare Werte zu erlangen, die Verschiedenartigkeit zwischen der „vorstatistischen“ und der exakt statistischen Zeit zu überbrücken und dadurch die für beide Epochen erlangten Ergebnisse miteinander in Beziehung zu setzen. Um das zu erreichen, braucht man einen Faktor, mit dem sich ältere Leistungseinheiten in Kopfzahlen umrechnen lassen. Dabei hat sich in der Fachliteratur allgemein der Wert 5 als durchschnittliche Kopfzahl einer Familie herausgebildet. Das mag mit Blick auf die Vorstellungen von hoher Kinderzahl in den Familien der Agrargesellschaft überraschend sein, wird aber in zahlreichen nachprüfbaren Fällen bestätigt, in denen vergleichbare Angaben über die Anzahl der Familien und der zugehörigen Personen vorliegen. Die Durchschnittszahl muss ja auch für ein Stichjahr mit bereits wieder verstorbenen Kindern und mit der Entfernung erwachsener Kinder aus ihrer Herkunftsfamilie rechnen. Da sich das Historische Ortsverzeichnis bewusst darauf beschränkt, quellenmäßig gesicherte Angaben und nicht bereits aufbereitete Forschungsergebnisse darzubieten, wurde dieser Schritt zur Errechnung von Kopfzahlen aus dem älteren vorstatistischen Zahlenmaterial nicht getan; er bleibt dem Benutzer überlassen, um den Quellenwert der hier veröffentlichten Zahlen nicht zu beeinträchtigen. Darum werden die Angaben in Anlehnung an die Überlieferung nach der sozialen Differenzierung der Bevölkerung gebracht. Der Punkt 4 enthält nicht nur rein quantitative Werte, sondern auch die für die älteren gesellschaftlichen Verhältnisse wichtigen qualitativen Unterschiede in der Sozialstruktur. Auf dem Lande ist der besessene Mann der vollberechtigte bäuerliche Hufenbesitzer als Mitglied der Dorfgemeinde, dessen Erwerb und Beruf die Landwirtschaft ist. Der Gärtner ist Hauseigentümer mit einer Gartennahrung von nur geringer Größe, die nicht für einen selbständigen und auskömmlichen bäuerlichen Betrieb ausreicht. Er ist in der Regel an Gemeindeverwaltung und Flurnutzung nicht beteiligt, hat keinen Hufenbesitz und ist neben seiner wohl gerade für den Eigenbedarf ausreichenden Landwirtschaft auf eine andere Tätigkeit gewerblicher oder sonstiger Art angewiesen. Eine „Gartennahrung“ war die Besitzeinheit von Haus und landwirtschaftlich nutzbarem Grund und Boden, die unter „Gartenrecht“ stand, nicht zur verhuften Gemeindeflur gehörte und nichts mit einem beruflichen Anbau von Obst, Gemüse oder Blumen im Sinne des heutigen Gärtnerberufes zu tun hatte. Es handelt sich um eine rein verfassungsrechtliche Definition. Der Häusler war nur Hauseigentümer ohne Feldbesitz, er ernährte sich von Lohnarbeit oder einem gewerblichen Betrieb. Seine untergeordnete soziale Stellung schloss ihn von der Mitgliedschaft in der Dorfgemeinde aus. Als Inwohner wird in Anlehnung an einen Begriff aus der schriftlichen Überlieferung die Gruppe der Hausgenossen (Einmieter), der Dienstboten (Knechte und Mägde) und gelegentlich auch der erwachsenen Kinder bezeichnet. Sie zählten nur als Einzelpersonen, verheiratete Inwohner treten in den Steuerverzeichnissen als Paar auf. Da die Inwohnerzahlen, die nur in den Steuerregistern des 16. Jahrhunderts angegeben sind, nicht für alle Orte festgestellt werden konnten, werden auch „0 Inw.“ dort angegeben, wo aus den Quellen einwandfrei hervorgeht, dass keine am Ort ansässig waren. Wo in einem Ortsartikel keine Inwohnerzahl steht, ist es zweifelhaft, ob diese Personengruppe vorhanden war oder nicht. Bei dem Versuch, aus den überlieferten Angaben der älteren Zeit Kopfzahlen zu gewinnen, müssen auch die an einem Ort vorhandenen Pfarrhäuser, Rittergüter und Vorwerke mit berücksichtigt und für sie angemessene Durchschnittszahlen angesetzt werden. Die Hufe ist das Maß für landwirtschaftlichen Grundbesitz, Nutzungsrechte an der Flur und Pflichtanteile an Gemeindelasten, etwa bei Einquartierungen. Ihre Größe ist landschaftlich sehr verschieden, wie die Größenangaben von 1764 zeigen. Eine Hufe Landes kann als das Normalmaß für die Arbeitsleistung einer bäuerlichen Familie und als deren ausreichende Lebensgrundlage angesehen werden. Infolge der Agrarreform von 1832 verlor die Hufe ihre Bedeutung als Richtmaß innerhalb der bäuerlichen Gesellschaft, sie wurde von der als reines Flächenmaß angewandten Hektargröße ersetzt. Die Hufenangaben lassen sich nur für das 18. Jahrhundert vollständig feststellen. Für das 16. Jahrhundert konnten sie nur für einen Teil der Orte erbracht werden, da das Quellenmaterial unvollständig ist.

In den größeren Städten, in denen der landwirtschaftliche Betrieb nur eine untergeordnete oder gar keine Rolle spielte, tritt an die Stelle von Größenangaben nach besessenen Mann, Gärtnern und Häuslern die Zahl der ansässigen Bürger,der Hausbesitzer oder der Feuerstellen. Q/L: 5, 6, 10-13, 65-70, 72-80, 82-89, 92, 96, 97, 99, 103, 107, 108, 113, 115, 139, 180, 182, 215.

 

5 Verwaltungszugehörigkeit

Hier werden die aus der Überlieferung feststellbaren Zuordnungen zu landesherrlichen bzw. staatlichen Verwaltungsbezirken vermerkt. Districtus, castrum und Pflege bezeichnen die Wirkungsbereiche der seit dem 13. Jahrhundert nachweisbaren markgräflichen Vögte (advocati, officiati). Seit dem 15. Jahrhundert tritt dafür die Bezeichnung Amt ein, die sich bis zum Ende der Ämterverfassung im Jahre 1855 erhalten hat. Im Zuge einer „Verämterung“ des Staatsgebietes während der frühen Neuzeit haben sich die Ämter allmählich auf die vorher ämterfreien Gebiete ausgedehnt. Es wird jeweils eine erste Nennung der Zugehörigkeit zu einem Amt im 16. Jahrhundert, ggf. eine weitere aus dem 17. Jahrhundert und eine aus der Mitte des 18. Jahrhunderts verzeichnet; danach folgt eine Erwähnung von 1816 nach den durch die Teilung Sachsens infolge des Wiener Friedens bedingten Änderungen und eine von 1843, wobei die letzte gewisse Vereinfachungen in der sehr unrationellen Ämtereinteilung infolge der Reformen von 1831ff. widerspiegelt. Das Ämterverzeichnis ergänzt die Angaben unter Punkt 5 durch kurze Darstellung der Geschichte eines jeden Amtes. Die im Jahre 1856 eingerichteten Gerichtsämter für Justiz und Verwaltung blieben nach der Errichtung der Amtshauptmannschaften im Jahre 1873 nur noch für die Justizpflege zuständig, bis sie 1879 durch die Amtsgerichte ersetzt wurden, die sich meist ihrer alten räumlichen Ausdehnung anschlossen. Die räumlichen Strukturen der Amtshauptmannschaften, seit 1939 als Landkreise bezeichnet, blieben von mehreren Ausnahmen abgesehen bis zum Jahre 1952 das Einteilungsprinzip der staatlichen (inneren) Verwaltung. In den seit 1815 preußischen Gebieten wurde sogleich die preußische Kreiseinteilung eingeführt, im Ortsverzeichnis wird diese für die Stichjahre 1816 und 1880 oder 1825 und 1925 angegeben. Gegenüber der Verwaltungsstruktur in den sächsischen Erblanden fehlten in der von den ständischen Kräften beherrschten Oberlausitz bei völlig anderen Verhältnissen der Landesverfassung Bezirke einer landesherrlich-staatlichen Verwaltung bis in das 19. Jahrhundert hinein. Hier ist nur die Gliederung in einen Bautzener und einen Görlitzer Kreis zu verzeichnen, die sich ungefähr an die Unterscheidung eines Landes Bautzen und eines Landes Görlitz im hohen Mittelalter anlehnt. Erst nach 1831 wurden die Verwaltungsgrundsätze der Erblande auch auf die Oberlausitz übertragen. Die Verwaltungsstrukturen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden maßgeblich von der Verwaltungsreform zum 25. Juli 1952 sowie von der Kreisgebietsreform des Freistaates Sachsen zum

1. August 1994 und dem Ersten und Zweiten Kreisgebietsreformänderungsgesetz zum 1. Januar 1996 geprägt. Die innere Gliederung in Landkreise wird durch Stadtkreise bzw. seit 1994 durch Kreisfreie Städte ergänzt. Des Weiteren sind alle Veränderungen in der Kreiszugehörigkeit eines Ortes außerhalb dieser reformbedingten Zeitschnitte bis zum Stand vom 1. Januar 2002 verzeichnet. Q/L: 5-7, 10-13, 57-89, 92, 98, 101-103, 107, 110-113, 115-117, 204, 207, 213, 219.

 

6 Zugehörigkeit zu Grundherrschaften

Angaben über die Grundherrschaft werden mit Rücksicht auf die Quellenlage erst für die Zeit seit der Mitte des 16. Jahrhunderts gemacht. Sie schließen im Wesentlichen mit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ab, da seitdem bis zum Ende der Grundherrschaft 1838ff. kaum noch Veränderungen eingetreten sind. Grundherr und Gerichtsherr sind in dem behandelten Gebiet bis auf seltene Ausnahmen personengleich. In den Amtsdörfern – das entsprechende Amt ist unter Punkt 5 verzeichnet – ist der Landesherr gleichzeitig Grundherr gewesen. Hatten an einem Ort mehrere Grundherrschaften Anteile, so wird diejenige mit dem größten Anteil an erster Stelle genannt. Q/L: 5-7, 10-13, 61, 65, 170, 204, 219.

 

7 Kirchliche Organisation

In Abhängigkeit vom Quellenmaterial wird eingangs die erste nachweisbare Überlieferung einer Kirche am betreffenden Ort für die Zeit vor 1500 geführt. Annähernd flächenhafte Aussagen über die Kirchenorganisation, zunächst vor allem die Pfarrkirchen, sind erst für die Zeit am Ende des 15. Jahrhunderts möglich. Sie erfassen somit zum größten Teil die mittelalterliche, bis zur Reformation gültig gewesene Gliederung; hierzu gehört auch die Zuordnung zu übergeordneten kirchlichen Strukturen (sedes, Dekanate, Archidiakonate usw.) bis hin zur Einbindung in die Bistumsorganisation um 1500. In größerer Dichte und Vielfalt setzen die Angaben zu kirchlichen Strukturen mit den ersten evangelischen Kirchenvisitationen von 1529 bis 1580 ein. Schwesterkirchen und Tochterkirchen werden wegen des praktisch bedeutungslosen Unterschiedes einheitlich als Filialkirchen bezeichnet. Bei der großen Beständigkeit kirchlicher Verhältnisse genügt es, jeweils einen Beleg im 16. Jahrhundert und einen weiteren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts anzumerken. Für den dazwischen liegenden Zeitraum werden lediglich Veränderungen verzeichnet. Da für die Oberlausitz aus dem 16. Jahrhundert keine Visitationsprotokolle vorliegen, mussten die entsprechenden Angaben aus der Literatur ermittelt werden. Diese quellenmäßig nicht belegten, sondern nur erschlossenen Vermerke wurden in eckige Klammern gesetzt. Bei allen Angaben über die kirchliche Organisation handelt es sich seit der Reformation um das evangelisch-lutherische, in den seit 1815 preußischen Gebieten um das evangelisch-unierte Bekenntnis, sofern nicht ausdrücklich auf das römisch-katholische Bekenntnis hingewiesen wird.

Auf die Angaben aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts folgt – mit einem zeitlichen Bruch, der durch Gedankenstrich angezeigt wird – die Einordnung in die kirchlichen Strukturen um das Jahr 2000 einschließlich der Zuweisung zu den evangelischen Landeskirchen und katholischen Diözesen. Ohne besonderen Verweis zu einer evangelischen Landeskirche handelt es sich um den Zuständigkeitsbereich des Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamtes Sachsens. Hingegen sind die Bereiche der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen (ELKTh) sowie der Evangelischen Kirchen BerlinBrandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und der Kirchenprovinz Sachsen (KPS) durch die jeweiligen Abkürzungen ausgewiesen. Das Kürzel des Landeskirchenamtes Sachsen (EVLKS) findet sich lediglich bei einigen Orten, die heute nicht mehr zum Freistaat Sachsen, jedoch zur sächsischen Landeskirche gehören. Unter den Orten, die den katholischen Diözesen zuzuordnen sind, gehören diejenigen ohne zusätzlichen Verweis zum Bistum Dresden-Meißen, während die im Bistum Görlitz auch als solche ausgezeichnet sind. Q/L: 4, 9, 21-56, 65, 119, 120, 135-168, 187, 207, 210.

 

8 Historische Ortsnamenformen

Die Reihe der Ortsnamenbelege beginnt mit der ersten nachweisbaren Erwähnung des Ortes in den Schriftquellen, nach der alle weiteren für die sprachliche Entwicklung des Ortsnamens wesentlichen Formen in zeitlicher Folge gebracht werden, wobei vielfach nur eine Auswahl wiedergegeben werden kann. Die historischen Namenformen erscheinen kursiv und durchgängig mit großem Anfangsbuchstaben, ihre Schreibung erfolgt in jedem Falle buchstabengetreu nach Vorlage, flektierte Formen werden zumeist beibehalten. Die Buchstaben u und v oder w werden häufig sowohl vokalisch als auch konsonantisch gebraucht, es ergibt sich jeweils aus der Buchstabenfolge, wie gelesen werden muss: Siuersbach wie Siversbach, Vlersdorf wie Ulersdorf oder Wloch wie Ulok. Hierauf ist auch bei der Benutzung des Registers der historischen Ortsnamenformen zu achten. Die voranstehende Datumsangabe benennt die Zeit der Abfassung der Quelle in Verbindung mit dem überlieferten Sachverhalt. Erschlossene Zeitangaben stehen in eckigen Klammern. Angaben in runden Klammern zeigen an, dass die Überlieferung des Sachverhaltes und der Zeitpunkt der Abfassung der Quelle voneinander abweichen (diese vor allem für die Ortsnamenforschung wichtige Wiedergabe eines Datums wurde in das Ortsverzeichnis nur dann übernommen, wenn dies für den angezeigten Ortsnamenbeleg in landesgeschichtlichem Kontext maßgeblich erschien). In zahlreichen Fällen erscheint der Ortsname als Bestandteil des Namens einer adligen oder bürgerlichen, selten einer bäuerlichen Person. Sofern diese Herkunftsnamen zeitlich vor der ersten Erwähnung des Ortsnamens liegen, ist der ursächliche Zusammenhang des Namensträgers mit dem Ort zu prüfen. Ist dieser nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit gegeben, sollte der bloßen Erwähnung des Ortsnamens als Erstbeleg der Vorrang gegeben werden. Die überwiegende Zahl der historischen Namenbelege stimmt mit denen des Historischen Ortsnamenbuches, das gleichzeitig die Quellenbelege bietet, überein. Abweichungen ergeben sich dort, wo aufgrund landesgeschichtlicher Untersuchungen andere Zuweisungen, insbesondere bei Ersterwähnungen von Ortsnamen, wahrscheinlich sind. Zudem wurden die Namenformen u.a. durch Belege ergänzt, die aus grundlegenden seriellen Quellen des Ortsverzeichnisses wie beispielsweise den Amtserbbüchern oder Landsteuerregistern des 16. Jahrhunderts stammen. Für die Orte der zweisprachigen Oberlausitz steht die heute gebräuchliche bzw. in einigen Fällen auch die erschlossene obersorbische Namenform bereits in der Kopfzeile des Ortsartikels, für ältere Nachweise der obersorbischen Namen ist das Historische Ortsnamenbuch heranzuziehen. Q/L: 1-15, 18-61, 65, 76, 77, 90, 91, 100, 151-163, 166-169, 171, 172, 174-178, 184, 185, 187, 188,

190, 191, 193-211, 213, 214, 219, 221-223, 227, 228.

 

9 Literatur

Hier wird auf ausgewählte Handbücher, Lexika und Inventare zur Geschichte und Landeskunde verwiesen, in denen weiterführende Angaben über den betreffenden Ort zu finden sind. Sofern vorhanden, erscheint an erster Stelle der Nachweis des Ortes im „Historischen Ortsnamenbuch von Sachsen“ (HONB) [151] bzw. alternativ in einem anderen Namenbuch [152-163, 166-168]. Es schließen sich in folgender Reihung an:

HSt Handbuch der historischen Stätten [127, 128]
BKD/VKD Beschreibende Darstellung/Verzeichnis der älteren Bau- und Kunstdenkmäler
  [121-124]
Dehio Sa Dehio, Georg, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler [125]
DStB Deutsches Städtebuch [126]
LexStWapp Lexikon Städte und Wappen [129]
Grünberg Sächsisches Pfarrerbuch [140]
Helbig Helbig, Herbert, Untersuchungen über die Kirchenpatrozinien in Sachsen [189]

Literaturangaben weiterer landeskundlicher Nachschlagewerke, darunter aus dem „Vollständigen Staats-, Post- und Zeitungslexikon“ von Schumann und Schiffner [64] oder den „Werten der deutschen Heimat“ (Landschaften in Deutschland) [130] sind bereits den Namenartikeln des Historischen Ortsnamenbuches beigegeben.

 

10 Gauß-Krüger-Koordinaten

Dieser Punkt gibt eine topographische Lagedefinition des Ortes anhand des Rechts- und Hochwertes im Gauß-Krüger-Koordinatensystem nach RD 83 (Gauß-Krüger-Zone 4 bzw. 5). Für alle amtlichen Gemeinden und Gemeindeteile konnten diese Koordinaten vom Sächsischen Staatsministerium des Innern übernommen werden. Die Daten von weiteren etwa 1600 Siedlungen wurden auf der Grundlage der Topographischen Karten im Maßstab 1 : 25 000 [227-229] und der Top50 Sachsen [231] neu erhoben. Als Lagebezug dienten Ortsmittelpunkte, zumeist bezogen auf den (historischen) Ortskern oder markante Objekte, wie Kirche, Rittergut u.ä. Ausgehend von den GaußKrüger-Koordinaten wurden anhand der Top50 Sachsen die geodätischen Koordinaten in Grad, Minute, Sekunde bezogen auf WGS84 (World Geodetic System 84) und die Höhenlage des Ortes (über Normalnull) ermittelt. Diese Angaben sind unmittelbar unter der Kopfzeile der Ortsartikel angeordnet. Im Ergebnis der topographischen Datenaufnahme konnten über 80 Prozent der Siedlungen im Historischen Ortsverzeichnis mit Koordinaten versehen werden. Ohne Ortskoordinaten blieben die Ortswüstungen des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit, die oft nur als Verdachtsflächen bzw. überhaupt nicht genauer zu lokalisieren sind; aber auch Namenrelikte, Sammelbezeichnungen für Orte, aufgelöste Gemeinden usw. zählen hierzu. In Verbindung mit der Nummer der Topographischen Karte 1 : 25 000 am rechten oberen Rand des Ortsartikels eignen sich die Gauß-Krüger-Koordinaten für den Nachweis eines Ortes auf konventionellen Karten. Ebenso können Gauß-Krüger- und geodätische Koordinaten in der CD-ROM-Ausgabe der Topographischen Karte 1 : 50 000 (Top50 Sachsen) [231] zum Einsatz kommen. Darüber hinaus sollen sie künftig für die Abbildung von Siedlungen und historischen Sachdaten unterschiedlicher Zeitstellung in georeferenzierten digitalen Karten herangezogen werden.  

 

 

L: BAUDISCH, Susanne/MÜLLER, Martina/SCHULZ, Michael, Historisch-Kartographisches Informationssystem Sachsen (HistKIS) – ein Beitrag zur interdisziplinären landeskundlichen Grundlagenforschung, in: Siedlungsforschung. Archäologie-Geschichte-Geographie, hrsg. v. Klaus Fehn u.a., Bonn, Bd. 22.2004 (2005), ca. 25 S., im Druck.